FIP ist eine Infektionskrankheit

Gerade sind auf Facebook wieder einmal Züchter unterwegs, die mit geradezu religiösem Eifer  Pedigrees von an FIP gestorbenen Katzen sammeln, auf der Suche nach Linien, die “das FIP-Gen” verbreiten. Darunter sind Züchter, die schon mehrere zugekaufte Jungtiere durch FIP verloren haben. Vielleicht sollten ja gerade diese Züchter ihre Energie besser darauf verwenden, ihren Bestand vom Coronavirus zu befreien, der jeden gesunden, aber von oft tagelangem Transport geschwächten Neuankömmling in ihrer Cattery als erstes befällt.
FIP ist und bleibt eine Infektionskrankheit.
An dieser Stelle soll es nicht darum gehen, wie FIP diagnostiziert wird, oder um Behandlungsversuche, sondern um Fakten zu der ursächlichen Virusinfektion mit dem Felinen Corona-Virus (FCoV) und Strategien, eine Infektion entweder zu vermeiden, oder infizierte Tiere wieder virusfrei zu bekommen.
Während Züchter abwiegeln und die Infektion pauschal für a) normal und b) harmlos erklären, dafür aber um so schneller mit dem Finger auf den Züchter der FIP-Katze zeigen, raten die Labore auf Nachfrage bei positivem Titer: “Kaufen Sie sich eine andere Katze. In coronafreie Bestände nur coronafreie Katzen”.
Doch das ist die Quadratur des Kreises, solange Züchter die Infektion nicht bekämpfen.

Fakten zur felinen Coronavirus-Infektion

  • FIP – die immer tödlich endende Bauchwassersucht der Katzen, ist eine Infektionskrankheit, genauer, eine Viruserkrankung.
    Verantwortlich für die Erkrankung ist das hochansteckende Feline Corona-Virus (FCoV).
  • Dieses Virus ist weltweit verbreitet. Nur die Falklandinseln sind coronafrei. Aufgrund des Hauptübertragungsweges über den Katzenkot ist der Durchseuchungsgrad in Mehrkatzenhaltungen in geschlossenen Räumen (gemeinsame Katzenklos) besonders hoch, also vor allem in Tierheimen, Katzenzuchten (egal ob seriös oder Schwarzzüchter) und Mehrkatzenhaushalten und liegt dort bei 70-90%, während Freigänger nur zu ca. 10% Virusträger sind.
  • Besonders erschreckend daran ist die Tatsache, dass es demzufolge sowohl für Liebhaber als auch für Züchter nahezu unmöglich ist, beim Kauf einer Rassekatze auch beim seriösen Züchter ein Katze zu kaufen, die nicht bereits bei Einzug infiziert ist.
  • An dieser Stelle beeilen sich fast alle Züchter, reflexartig zu erklären, dass das Coronavirus doch völlig harmlos wäre, allenfalls bei Erstinfektion leichten Durchfall auslöse und folglich eine Infektion kein Mangel wäre. Das Coronavirus gehöre heute quasi zur Grundausstattung einer Katze und es würden doch nur 5 % aller infizierten Katzen FIP entwickeln.
  • Aber Tatsache ist: Ohne Coronainfektion keine FIP-Erkrankung.
  • Tatsächlich liegt die Erkrankungsrate bei 7%-13%, je nach Studie oder befragtem Labor (Laboklin hat auf Nachfrage 7% angegeben). Also ich finde die Tatsache, dass im Schnitt eine von 10 – 15 infizierten Katzen an FIP stirbt, nicht wenig und das Corona-Virus mithin alles andere als harmlos.
  • Das Coronavius ist hochansteckend und kann auch über gemeinsam benutzte Gegenstände, Kleidung usw. übertragen werden. Aber die Hauptinfektionsquelle ist der Kot infizierter Katzen.
  • Ob Ihre Katze mit dem Corona-Virus infiziert ist oder sich zumindest schon einmal mit Corona-Viren auseinandersetzen mußte, erkennen Sie am sogenannten Antikörpertiter im Blut, denn das Immunsystem bildet bei Viruskontakt zur Abwehr Antikörper und wie viele das sind, gibt der die Höhe des Antikörper-Titers an.
  • Auch an dieser Stelle kommen Züchter mit den abstrusesten Behauptungen, um zu begründen, warum sie keine Titer bestimmen lassen:
    - “Es hätten sowieso alle einen Titer” – Stimmt nicht. Es gibt auch negative Katzen, unter Freigängern sind das sogar 90%
    - “Die Höhe des Titers ist unerheblich und sagt gar nichts aus.” – Stimmt nicht. Die Höhe des Titers gibt Anhaltspunkte, ob die Katze gerade eine akute Virämie durchmacht und mit welcher Wahrscheinlichkeit sie infektiös ist. Nur als alleiniges Mittel zur Diagnose FIP ist der AK-Titer aber in der Tat ungeeignet.
    - “Auch Katzen mit negativem Titer können Virusträger sein, also wozu testen?” – Stimmt nicht. Eine gesunde Katze mit negativem Titer ist kein Virusträger – einzige Ausnahme: Sie hat sich gerade erst infiziert und befindet sich noch in der Inkubationsphase.
    Ansonste kann nur eine totkranke Katze im Endstadium einer FIP-Erkrankung  ausnahmsweise einer negativen Titer haben, weil alle Antikörper bereits gebunden sind. Aber diese Katze ist dann schon länger und erkennbar schwer krank und hatte zuvor einen hohen Antikörpertiter.
    Das Testen macht also durchaus, auch und gerade in Zuchten Sinn.
  • Titerhöhen werden je nach Labor durch bestimmte Verdünnungsquotienten ermittelt und auch so angegeben, wobei die Werte von 1:10 bis zu Höhen von 1:1600 liegen können, wobei manche Labore erst mit einer Anfangsverdünnung von 1:20 oder 1:25 beginnen. Sind in dieser Anfangsverdünnung keine Antikörper nachgewiesen, wird das mit < als… angegeben.
  • Katzen mit AK-Titer < 1:10 sind FCoV negativ, also virenfrei (University Glasgow). (LABOKLIN gibt für < 1:25 negativ an), denn der Körper baut die Antikörper erst dann ab, wenn die Viren eliminiert sind.
  • Mit der Bildung der Antikörper versucht der Organismus, die Virusvermehrung im Darm in den Griff zu bekommen.
    Viren können weitgehend ruhen im Körper (wie Herpes oder HIV beim Menschen), aber auch aktiviert werden und sich vermehren.
  • Bei der Virusreplikation(Vermehrung) passieren Replikationsfehler. Man spricht dann von mutierten Viren.
    Amerikanische Studien haben in jüngster Vergangenheit zwei Mutationen identifiziert, die letztlich für die Entwicklung der FIP-Erkrankung verantwortlich sind. Diese mutierten Coronaviren bekommt der Körper im Gegensatz zu den normalen nicht mehr in den Griff. Sie dringen in die Makrophagen ein, vermehren sich dort und breiten sich im ganzen Körper aus. Dort lösen sie Entzündungen aus und richten im ganzen Körper tödliche Schäden an.
  • Katzen mit einem starken Immunsystem mit guter zellulärer Abwehr entwickeln zunächst die trockene Form und versuchen, den Schaden zu begrenzen. Diese Katzen können noch einige Wochen gegenhalten.
  • Zur Virusvermehrung kann es immer dann kommen, wenn das Immunsystem entweder angeboren schwach ist (z.B. durch starke Inzucht), gerade anderweitig stark in Anspruch genommen ist (Kastration, Umzug in ein neues Zuhause, neue Tiere, Impfungen, Erkrankungen wie z.B. Katzenschnupfen, Parasiten, schlimmstenfalls mehreres davon in schneller Folge) oder die Katze ein Krankheit hat, die das Immunsystem direkt schwächt z.B. Katzenaids. Auch Cortison, verabreicht z.B. bei Autoimunerkrankungen, unterdrückt das Immunsystem. Deshab sollen coronainfizierte Katze kein Cortison bekommen.
  • Starke Virusvermehrung = hohe Mutationsrate = erhöhte FIP-Gefahr. Eine solche Phase ist erkennbar an einem hohen Antikörper-Titer und starker Virusausscheidung im Kot. In einer solchen Phase sind die Katzen auch ein Infektionsherd für andere Katzen. Sie selbst müssen weder bereits FIP haben, noch bekommen. Die Gefahr ist aber für die nächsten 18 Monate erhöht.
  • Die allermeisten FIP-kranken Katzen erkranken innerhalb der ersten 18 Monate nach der Erstinfektion mit dem Coronavirus an FIP.
  • Katzen die schon länger als 18 Monate infiziert sind, erkranken selbst sehr selten noch, stellen aber eine Infektionsgefahr für anders Katzen dar. Allerdings können imunsupremierte Trägerkatzen oder Katzen mit anderen schweren Infektionskrankheiten dennoch FIP bekommen. Deshalb sollen FCoV-positive Katzen keine immunsuppressiven Medikamente, wie Cortison bekommen.
  • Solche positiven Katzen sollen sehr gut (Fleisch, Fisch, kein Getreide) ernährt werden, vor anderen Infektionen geschützt werden und Stress von ihnen fern gehalten werden.
  • Serokonservation von FCoV findet 18-21 Tage nach der Infektion statt. (Inkubationszeit)
    Das heißt, wenn man befürchtet, die eigene bis dato FCoV-negative Katze könnte sich infiziert haben, macht ein Test erst 21 Tage nach Kontakt Sinn, weil erst dann Antikörper nachweisbar sind.
  • Katzenbabies können mit der Erstmilch Maternale Andikörper gegen das Corona-Virus aufgenommen haben. Maternale Antikörper zu FCoV schwinden gewöhnlich im Alter von 5 – 7 Wochen.
  • Das bedeutet, dass es sinnlos ist, Kitten bis ca. 12 Wochen zu testen (12 Wochen, weil manche Katzen so lange MA haben). Bei Kitten, die noch maternale AK haben, ist der gemessen Titer der Titer der Maternalen Antikörper und läßt keine Rückschlüsse zu, ob die Katze selbst infiziert ist oder nicht. Ca. 2 Wochen nach Verschwinden der MA können Kitten zwischen 7 und 12 Wochen einen negativen Titer haben, obwohl sie bereits infiziert sind
    a) weil das Immunsystem noch nicht kompetent ist, eigene AK zu bilden (immunologische Lücke)
    b) weil sie sich evtl. noch in der Inkubationszeit befinden.
  • Die überwiegende Mehrheit der Katzen, die sich infizieren, tragen das Virus für einige Monate, entwickeln eine erfolgreiche Immunantwort und eliminieren das Virus wieder.
  • Ein negativer Antikörper-Titer bei einer gesunden, erwachsenen Katze schließt eine Corona-Infektion aus.(Es sei denn, sie hat sich erst innerhalb der letzten 21 Tage vor dem Test infiziert)
  • Die Höhe des Antikörper-Titers korreliert mit der Virusausscheidung.
  • Wenn die Katze einzeln gehalten wird und sich nicht ständig neu infizieren kann, fällt der AK-Titer.
    Der Titer fällt langsam. Ein Nachtesten ist erst nach 2-3 Monaten sinnvoll.
  • 33% der seropositiven Katzen sind auch noch Virusträger und scheiden das Virus aus oder anders herum:57% der seropositiven Katzen (mit Titer) sind keine Virusausscheider.
  • Bei Titerhöhe von 300 und höher ist Virusausscheidung sicher (LABOKLIN)
  • Katzen, die mit einer FCoV-positiven oder FIP-kranken Katze Kontakt hatten, sind so gut wie immer infiziert, da das Virus extrem ansteckend ist. Dennoch sollte man den AK-Titer messen lassen und nach 2 Monaten nachtesten. Man sieht dann, ob der Titer wieder fällt.
  • Laut LABOKLIN entwickeln 7% der im FCoV-Test seropositiven Katzen FIP.
  • Bei 58% der nicht FIP-erkrankten Katzen endet die Virusausscheidung einen Monat nach Infektion.
    9 Monate nach der Infektion ist bei 95% der infizierten Katzen die Virusausscheidung beendet.
    ca. 13% bleiben lebenslang Ausscheider. Sie behalten einen AK-Titer. Einige dieser Katzen entwickeln chronischen Durchfall.
  • ca. 4% aller Katzen scheinen völlig resistent gegen die Corona-Inektion zu sein. Sie scheiden nie Viren aus und entwickeln kaum messbare AK-Titer. Eine aktuelle amerikanische Studie zeigt, dass es jedoch nicht möglich ist, resistente Zuchtlinien mit solchen Tieren aufzubauen. Man führt die Resistenz auf eine besonders gute zelluläre Abwehr zurück, die individuell ist, allerdings abhängig von der Breite ihrer genetischen Basis.
  • Allerdings klappt es umgekehrt. Besonders empfängliche Tier kann man gezielt züchten. Bei sehr hohem Inzuchtgrad verschlechtert sich die zelluläre Abwehr. Generell können aber abgesehen von den 4% alle Katzen unter ungünstigen Umständen oder einfach nach dem Zufallsprinzip FIP bekommen.
  • FCoV wird sehr selten und auch nur zu Beginn einer Infektion mit dem Speichel ausgeschieden. Die Ausscheidung erfolgt über die Fäkalien.
  • Ob eine Katze tatsächlich Coronaviren ausscheidet, kann man über eine PCR-Kotuntersuchung ermitteln.
  • Für das Monitoring eines Ausscheiders kombiniert man am besten den Blut-Antikörper-Test mit dem PCR-Virusnachweis im Kot. Bei manchen Katzen sinkt der Titer erst 29 Monate nach Beendigung der Virusausscheidung.
    Ein Titer < 1:10 ist beweisend für Virenfreiheit, Angeblich gibt es Katzen, die auch bei 1:20 noch ausscheiden.
  • Aber ein einzelner negativer Kottest ist nicht beweisend. Angeblich ist der Test störanfällig und es gibt sowohl falsch negative als auch falsch positive Ergebnisse. Außerdem scheiden viele Katzen nicht kontinuierlich aus.
    Laut IDEXX sind 4, wöchentlich aufeinanderfolgende negative PCR-Kottests nötig, bis man von Virenfreiheit ausgehen kann. Für eine solche Untersuchung benötigt man den Kot einer Katze von drei aufeinanderfolgenden Tagen in je einem Röhrchen. Am 3. Tag werden die Proben abgegeben und bis dahin im Kühlschrank gekühlt.
    Laut University Glasgow sind sogar 5 monatliche negative Tests erst beweisend für Virusfreiheit.
  • Katzen, die länger als 8 Monate Viren ausscheiden, bleiben zu 95% lebenslange Ausscheider (Info: LABOKLIN).
    In trockener Umgebung überlebt das Virus bis zu 7 Wochen.
  • Genau wie die meisten gegen andere Krankheiten durch Impfungen erworbenen Antikörper-Titer fallen die Titer nach längerer Zeit ohne neuen Viruskontakt bei Katzen, die das Virus eliminiert haben. Das heißt aber auch, dass sie für erneute Infektion wieder empfänglich werden, weshalb Dauerausscheider eine permanente Ansteckungsquelle für die übrigen Katzen sind.

Fortsetzung folgt

Quellen:
LABOKLIN (Webseite und telefonische Auskünfte)
IDEXX (Webseite)
Dr. Diane D. Addie (www.catvirus.com)